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  • AutorenbildBiohof Speiser

Tierwohl und Nachhaltigkeit in der Rindermast: Konventionell, EU-Bio oder Bioland

Für jeden landwirtschaftlichen Betrieb in Europa gelten gesetzliche Mindestanforderungen. Diese regeln unter Anderem wieviel Platz im Stall bekommt, wie oft diese auf die Weiden dürfen, welche Dünger verwendet werden, oder medizinische Behandlung von kranken Tieren. Darüber hinaus gibt es EU-weite Standards, wie Betriebe biologisch zertifiziert werden können. Je nach Art der Tierhaltung - ob Hühner, Rinder oder Schafe – gelten dann zusätzliche Anforderungen. Zum Beispiel bekommen die Tiere meist mehr Platz, Kälbchen trinken echte Muttermilch oder Rinder verbringen den Sommer auf Weiden. Ganz wichtig ist auch: Unabhängige Prüfer stellen mit jährlichen Kontrollen sicher, dass die Betriebe die Anforderungen einhalten. Nach erfolgreicher Prüfung gibt es dann ein Bio-Zertifikat.


Wir halten schon mal fest: Biologische Landwirtschaft betreibt eine Nutztierhaltung über dem gesetzlichen Mindeststandard und unabhängige Kontrollstellen vergeben Bio-Zertifikate. Hier gibt es wieder verschiedene Zertifikate. Wie bereit vorhin erwähnt, gibt es das sogenannte EU-BIO.


Dieses Logo kennt Ihr bestimmt. Jedes verpackte Bio-Produkt in Europa hat es nämlich aufgedruckt. Die Regelungen für EU-BIO sind Mindestanforderungen für landwirtschaftliche Betriebe. Die Einhaltung der Anforderungen kontrolliert eine unabhängige Organisation. Diese ist durch eine Nummer unter dem Logo gekennzeichnet.

In Deutschland gibt es weitere BIO-Zertifikate, die diese Anforderungen nochmal übertreffen. Die bekanntesten sind hier wohl: Bioland, Biokreis und Demeter. Heute schauen wir aber nur auf Bioland. Warum Bioland? Genau! Der Biohof Speiser ist Bioland-Mitglied. Und in diesem Beitrag vergleiche wir die Anforderungen der Rinderaufzucht von Bioland, EU-BIO und konventioneller Aufzucht.

 

Nur Bio-Kälber trinken echte Muttermilch

Der erste Unterschied beginnt bereits am ersten Tag der Kälber. Bioland Kälber trinken mindestens 3 Monate echte Bio-Kuhmilch. Das ist in konventionellen betrieben keine Anforderung. Typischerweise trinken Kälber dort „Milchaustauscher“, also Milchpulver.


Die meisten Kühe wissen nicht was frisches Gras ist

Sowohl konventionell gehaltene Rinder, als auch die EU-Bio Richtlinie erfordern keinen Weidegang. Daher sieht der größte Teil aller Rinder nie frisches Gras. Die meisten Rinder verlassen den Stall ih ganzes Leben nicht. Die einzige Ausnahme ist meist der Weg zum Metzger. Bei Bioland sind alle Tiere mindestens 120 Tage auf der Weide, wo sie frisches Gras fressen können. im Allgäu kommen die Tiere auch oft in den Sommermonaten auf eine Alpe.


Mehr Platz

Die meisten Rinder leben in Laufställen - egal ob Bio oder konventionell. Einer großer Unterschied ist allerdings: Konventionelle Betriebe „überstellen“ sehr häufig. Der Laufstall hat also weniger Fress- und Liegeplätze als Tiere. Da Rinderherden eine Rangordnung haben, führt das häufig zu Problemen. Manche Tiere fressen fast gar nicht und können sich selten ausruhen, da alle Plätze belegt sind – und Rangkämpfe machen es den Tieren schwer, sich durchzusetzen. Für Biobetriebe ist das verboten. Jedes Tier muss einen Schlaf- und Liegeplatz haben. Außerdem: Der Platz pro Tier im Stall ist deutlich größer. Da gibt es je nach Alter bestimmte Anforderungen, die wir hier nicht näher besprechen wollen.


Biofutter aus Eigenproduktion

Bio-Tiere müssen 100% Biofutter fressen. Bei Bioland-Betrieben stammen dabei mindestens 60% aus Eigenproduktion stammen (bei uns sogar 100%). Ein weiterer Unterschied ist, dass Rinder in konventionellen Betrieben meist kein frisches Gras fressen. Häufig bekommen die nur Gras-Silage und Mais. EU-Bio macht hier auch keine zusätzlichen Anforderungen. Bioland verbietet die ganzjährige Fütterung von Grassilage.


Antibiotika im Hochleistungsfutter

In der konventionellen Rindermast werden oft Hochleistungsfutter verwendet, die schnelles Wachstum ermöglichen. Das Futter enthält oft Antibiotika und Wachstumsförderer. In Bio-Betrieben ist das verbote. Antibiotika darf nur zur Behandlung von Krankheiten verwendet werden.


Feldbestellung

Bioland-Betriebe dürfen keinerlei chemischer Pestizide verwenden und düngen nur mit Gülle. Aber selbst die Gülle wird streng geregelt und kontrolliert. Konventionelle betriebe dürfen auch Kunstdünger ausbringen. hier regelst der Gesetzgeber, wann, wo und wieviel gedüngt werden darf.

 

Fazit

Die Landwirtschaft in Europa unterliegt strengen gesetzlichen Mindestanforderungen, die Aspekte wie Platz im Stall, Weidegang, Dünger und medizinische Behandlungen regulieren. Biologische Landwirtschaft, zertifiziert durch unabhängige Kontrollstellen, geht über diese Mindeststandards hinaus, und es gibt verschiedene Bio-Zertifikate, einschließlich EU-BIO, das auf jedem verpackten Bio-Produkt in Europa zu finden ist.


Bioland, ein prominentes Bio-Zertifikat in Deutschland, setzt Standards, die sowohl EU-BIO als auch konventionelle Methoden übertreffen, insbesondere in Bezug auf Rindermast. Die Schlüsselkriterien sind:

  • Bioland-Kälber erhalten echte Bio-Kuhmilch, während konventionelle Kälber häufig Milchpulver erhalten.

  • Während konventionelle und EU-Bio-Richtlinien keinen Weidegang erfordern, müssen Bioland-Rinder mindestens 120 Tage auf der Weide verbringen.

  • Bioland-Betriebe bieten den Tieren mehr Platz und verhindern Überbelegung, während konventionelle Betriebe oft weniger Fress- und Liegeplätze als Tiere haben.

  • Bio-Tiere müssen 100% Biofutter fressen, wobei Bioland zusätzliche Anforderungen stellt, z.B. dass mindestens 60% des Futters aus Eigenproduktion stammen müssen.

  • In Bioland-Betrieben gibt es keine chemischen Pestizide und regulieren selbst die Verwendung von Gülle streng, während konventionelle Betriebe auch Kunstdünger verwenden dürfen.

Zusammenfassend zeigt sich, dass Bioland strenge und detaillierte Standards für Rindermast setzt, die sowohl konventionelle Methoden als auch allgemeine EU-Bio-Standards übertreffen. Der Verbraucher kann sicher sein, dass Produkte mit dem Bioland-Logo einer umfassenden Prüfung unterzogen wurden, die über das gesetzliche Minimum hinausgeht, um Nachhaltigkeit, Tierwohl und Qualität sicherzustellen.

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